BILDUNG neu denken, REGIONEN stärken, WERTE erleben


Einen Schwerpunkt sieht der ÖAAB in der Auseinandersetzung mit der Arbeit der Zukunft.
Wenn wir von Arbeit reden, so zeigen sich in Bezug auf diesen Begriff zwei Tendenzen: auf der einen Seite eine Ausweitung des Arbeitsbegriffes: Wir sprechen zum Beispiel von Beratungsarbeit, Bildungsarbeit, Trauerarbeit; auf der anderen Seite eine Einengung des Arbeitsbegriffes auf abhängige, mit einem Lohn verbundene Arbeit.
Diese Einengung des Arbeitsbegriffes führt dazu, dass etwa Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, nicht „arbeiten“, obwohl sie über die familiäre Ebene hinaus einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft erbringen. Diese Einengung des Arbeitsbegriffes spielt aber auch eine wichtige Rolle in Bezug auf die Arbeitslosigkeit, die mit dem Schlagwort „Wenig Arbeit, viel zu tun“ charakterisiert werden kann.
Auf diesem Hintergrund ist es wichtig, Arbeit neu zu denken, um in der Ausweitung des Arbeitsbegriffes zu einem Arbeitsmix zu kommen, der einerseits den Arbeitsmarkt entlastet, andererseits die Entfaltungsmöglichkeiten des und der Einzelnen, die nun in verschiedenen Feldern arbeitet, erhöht.

Folgendes Modell eines Arbeitsmixes soll als Grundlage für die Diskussion dienen:

Ein Minimum an in einem umfassenden Sinn produktiver Arbeit wird für jeden vom Staat garantiert. Der Staat subventioniert so nicht das Untätigsein, sondern Arbeit in für die Gesellschaft auf verschiedensten Ebenen wichtigen Feldern (z.B. Umwelt, Soziales). Diese Grundbeschäftigung, die ungefähr das Äquivalent von zwanzig Wochenstunden ausmacht, wird mit einem Mindestgehalt bezahlt. Diese erste Schicht der Arbeit ist anwendbar auf Menschen von 18 bis 78 und ermöglicht dadurch fließende, gestufte Übergänge des Ein- und Austrittes in die bzw. aus der Arbeit. Für Jugendliche besteht die Möglichkeit, während und neben der Ausbildung Arbeitserfahrung zu sammeln, was sich rückwirkend wieder positiv auf die Ausbildung auswirken kann. Das Bereitstellen von Arbeit in dieser Schicht ist über eine das Leben garantierende Grundsicherung hinaus mit einer Verpflichtung zur Arbeit verbunden.

Die zweite Schicht bildet bezahlte Arbeit über die erste Schicht hinaus in der freien Wirtschaft, also auf dem traditionellen Arbeitsmarkt, die die erste Schicht der Arbeit ergänzt oder ersetzt. Auf dem Hintergrund der Garantie einer Grundbeschäftigung ist der Arbeitsmarkt entlastet, so dass es leichter ist, wenigstens eine Teilzeitbeschäftigung zu finden. Dazu wird es aber einer Flexibilisierung dieser Schicht der Arbeit bedürfen, beispielsweise des Anbietens verschiedener Arbeitszeitmodelle ohne rechtliche und sonstige Besserstellung des Vollzeitarbeitsmodells. Auch Kombinationen von geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen wären möglich. Da der Markt von privater Initiative getragen ist, wird ein drohender Totalitätsanspruch des Staates zurückgedrängt. Der einzelne definiert seinen „Beruf“ weitgehend über die Tätigkeit in diesem zweiten Sektor.

Eine dritte Schicht bilden die Eigenleistungen und nicht bezahlten freiwilligen Tätigkeiten. Diese Schicht schafft in mancherlei Hinsicht die Voraussetzung des Funktionierens des Marktsektors und der ersten Schicht der Arbeit und bedarf damit der öffentlichen Anerkennung in einer anderen als der geldmäßigen Form.

Die Kombination der verschiedenen Formen der Arbeit muss dem Einzelnen überlassen werden. Aus der Kombination der verschiedenen Schichten der Arbeit kann sich auch ein krasse Ungleichheiten einebnendes Sozialsystem entwickeln lassen. Es wird also in Zukunft um einen Mix aus verschiedenen Arbeitsformen und eine gerechte Verteilung dieser verschiedenen Formen von Arbeit gehen. Damit ist nicht ein bedingungsloses Grundeinkommen anzustreben, sondern ein Grundeinkommen möglichst mit Arbeit in dem ausgeweiteten Sinn.

 

 

BILDUNG neu denken

 

Eine erfolgreiche Bildungspolitik schafft die Grundlage für künftiges Wachstum. Somit investieren wir in den Wohlstand von morgen.

 

Inklusion – Klares Bekenntnis zur Sonderschule – Wahlfreiheit für Eltern

  • Das Prinzip der Wahlfreiheit für Eltern, die ihre schwerstbehinderten Kinder einen Sonderschulstandort anvertrauen wollen, ist aufrecht zu erhalten. Bekanntlich erhalten schwerstbehinderte SchülerInnen in den Sonderschulen nicht nur kompetente Betreuung, sondern hochspezialisierte Förderung in einem Umfeld, das ganz auf ihre besonderen Bedürfnisse ausgerichtet ist und auch entsprechende Ressourcen personeller sowie materieller Natur. 
  • Vor der Einführung der Inklusion ist die rechtzeitige Bereitstellung und zeitgerechte Fertigstellung geeigneter baulicher, räumlicher und infrastruktureller Einrichtungen sicher zu stellen.
  • Die Aufstockung der personellen Erfolgsindikatoren ist unumgänglich (Lehrpersonen, Hilfspersonal und Pflegepersonal), um eine individuelle und differenzierte Förderung aller Schulpflichtigen garantieren zu können.
  • Die Sicherstellung zusätzlicher Ressourcen für bedarfsgerechte Begabungs-, Begabten- und Talenteförderung gewährleistet ein besseres Abschneiden bei internationalen und nationalen Studien. Vor allem gilt es, den Focus auf talentierte junge  Menschen zu legen, im Sinne des Forderns und Förderns.
  • Wir wollen ambitionierte, erfolgreiche Projekte forcieren, die darauf abzielen, die Begabungen und Stärken unserer SchülerInnen gezielt zu fördern, damit unsere zukünftigen LeistungsträgerInnen erfolgreiche ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen von morgen sind.

 

Einführung des Zwei- LehrerInnensystems in den ersten zwei  Schulstufen

Der Schuleingang ist geprägt von sehr großer Heterogenität in der Entwicklung der Kinder.

  • Oft befinden sich in diesen Klassen auch SchülerInnen mit Sprachdefiziten, Beeinträchtigungen und Teilleistungsschwächen, die nach einem eigenen Lehrplan unterrichtet werden müssen.
  • Immer öfter beeinflussen SchülerInnen durch ihr auffälliges Sozialverhalten massiv den Unterricht.
  • Vermehrt besuchen SchülerInnen, die noch kein, oder nur sehr wenig Deutsch sprechen, den Regelunterricht. 
Die Leistungsniveaus der Kinder driften daher naturgemäß stark auseinander, und eine flexible Differenzierung ermöglicht individualisierende Fördermöglichkeiten.
  • .Die Implementierung eines Zwei-LehrerInnensystems ist Ziel  erfolgreichen Erreichens vorgegebener Standards.

 

Leistung als einer der Grundwerte für unsere Jugend in den Schulen

Talenteförderung

  • Interne Förderung bedeutet, dass im Unterricht alle nur erdenklichen Ressourcen ausgenützt werden, um die Begabungen und Neigungen unserer Kinder zu fördern
  • die Vernetzung zwischen den Schulen und speziellen Einrichtungen muss intensiviert werden. Eine engere Kooperation mit dem Österreichischen Zentrum für Begabungsforschung ist im Ausbau.
  • Die Begabungs- und Begabtenförderung muss alle steirischen Schulen erreichen. Dazu wurde im LSR das ministerielle Netzwerk für Begabungsförderung installiert.
  • Die Olympiaden in Physik, Chemie, das Känguru der Mathematik werden wir weiterhin massiv unterstützt, ebenso müssen in den musischen und kreativen Fächern Akzente gesetzt werden.
  • Alle Schulen sind aufgefordert, sich am Leseschwerpunkt weiter zu beteiligen.

 

Karriere mit Lehre – Aufwertung des Lehrberufs – das duale Ausbildungssystem als Erfolgsmodell

Das duale Ausbildungssystem hat in Österreich lange Tradition. Dieses Ausbildungssystem genießt im Inland und im Ausland großes Ansehen und ist einzigartig. Die Ausbildung ist praxisorientiert, kostengünstig und effektiv und stellt der Wirtschaft bestens ausgebildete Facharbeiter zur Verfügung. Sie ist ebenfalls ein Garant für eine geringe Jugendarbeitslosigkeit.

Dass der Weg stimmt, zeigen unsere ausgezeichneten Platzierungen bei internationalen Wettbewerben: 35 junge Fachkräfte aus Österreich holten sich Ende 2016 bei den Berufseuropameisterschaften in Göteborg insgesamt 14 Medaillen. 5 Mal Gold, 5 Mal Silber und 4 Mal Bronze. Besonders freut es mich, dass hier 7 Teilnehmer aus der Steiermark höchst erfolgreich waren.

Diese Erfolge sind herzeigbar und sollen uns dabei unterstützen, die Lehre für junge Menschen noch attraktiv zu machen – zumal sich auch die Verdienstmöglichkeiten als Facharbeiter sehen lassen können. Um unsere Wirtschaft und Industrie nicht in Verlegenheit zu bringen, müssen wir weiterhin in die Lehre investieren.

 

Forderungen:

  • Erhöhung der Förderung der „Lehre mit Matura“. Diese bietet beste Voraussetzungen für einen beruflichen Aufstieg.
  • Ausbau der Erkennung und Förderung von Talenten in den Neuen Mittelschulen, Unterstufengymnasien und polytechnischen Schulen.
  • Erhöhung der Lehrlingsentschädigung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen vor allem in Mangelberufen.
  • Großzügige Imagekampanien für Lehrberufe. Stärkung von regionalen Betrieben, öffentliche finanzielle Unterstützung bei Betriebsgründungen. Finanzielle Förderung von regionalen Lehrstellen.
  • Das Zwischenspiel zwischen Ausbildung in guten Lehrbetrieben, und der Berufsschule muss uns weiterhin die hohe Qualität in der Lehre garantieren. 
  • Verlängerung der 8 Wochen Berufsschullehrgänge auf 9 1/3 Wochen und damit eine Verbesserung der schulischen Ausbildung. 8 Wochen Lehrgänge gibt es in den Handelsberufen und im Tourismus. Es sind Berufe bei denen vorwiegend Mädchen betroffen sind.
  • Erziehung der Jugendlichen zu leistungswilligen Mitgliedern der Gesellschaft und die Förderung und Belohnung von Leistung und Anerkennung.

 

 

REGIONEN stärken

 

Kauf heimisch – Kauf steirisch

 

  • Stärkung der Regionalwirtschaft und der Regionen – bringt Lebensqualität und beugt Abwanderung vor!

Mit meinem Kaufverhalten lenke und bestimmte ich aktiv die Wirtschaft. Mit dem Griff zu regionalen, steirischen Produkten und Lebensmitteln unterstütze ich die regionale Wirtschaft und sichere damit Arbeitsplätze vor Ort.

  • Kauf von heimischen Lebensmitteln mit AMA-Gütesiegel oder bei den bäuerlichen Direktvermarktern und Bauern märkten!

Steirische Lebensmittel sind nicht nur gesund, mit dem Kauf regionaler Lebensmittel sichere ich den Erhalt unserer bäuerlichen Familienbetriebe und Arbeitsplätze in der Land- und Forstwirtschaft. Durch die nahen Wege wird der CO2­Ausstoß verringert und die Landschaftspflege, die u.a. auch für unseren Tourismus sehr wichtig ist, bleibt gesichert.

  • Beauftragung von Gewerbebetrieben und Einkauf beim Fachhandel im nahen Umfeld

Oft kann der „kleine“ Händler mit Preis und Service überzeugen. Wie wertvoll der Handwerker in der Nähe ist, merkt man, wenn man ihn braucht. Regionale Gewerbetreibende und dem Fachhandel den Vorzug zu geben zahlt sich aus: stärkt Klein- und Familienbetriebe und den Erhalt von Handwerkstradition.

  • Regionale Ausbildungslehrplätze und Ferialjobs für unsere Jugend!

Junge Menschen folgen den Arbeitsplätzen. Nur mit ansprechenden Job­Angeboten in der Region, wird die Abwanderung in Richtung Zentralraum gestoppt. Die steirischen Regionen haben nur Zukunft, wenn Bildungs- und Ausbildungsangebote und attraktive Berufsmöglichkeiten vor Ort bestehen.

  • Aufklärung in den Schulen – Bewusstseinsbildung!

Es ist dringend notwendig, dass bereits in den Schulen darüber gelehrt wird, wie jeder mit dem Kaufverhalten die regionale Wirtschaft beeinflussen kann!

Vor allem jüngere Menschen kaufen gerne „online“ ein und damit leider oft im Ausland und die Wertschöpfung bleibt nicht im eigenen Land.

Auch fließen Gewinne damit oft an Unternehmen mit fragwürdigen Arbeits­ platzbedingungen.

Es geht nicht nur ein persönliches Einkaufserlebnis von Mensch zu Mensch verloren, ein „gutes Gewissen“ beim Kaufen – auch bei Gewährleistungen oder Reklamationen entstehen für Konsumenten oft Nachteile.

Unterm Strich entpuppt sich ein vermeintlich günstiger Online-Einkauf nachträglich als überteuert.

  • Vereinsförderung – durch Regionalwirtschaft

Gibt es keine regionale Nahversorgung (Landwirtschaft, Lebensmittel, Gewerbebetriebe, Elektrohandel, Autohandel uvm.) wird es auch für Vereine und Dorfgemeinschaften schwieriger Sponsoren für örtliche Veranstaltungen zu finden. Gibt es kein Dorf- und Vereinsleben mehr, wird die Abwanderung weiter voran getrieben!

  • Erhalt von Brauchtum und Tradition

ist nur in einem lebendigen Wirtschafts­, Gesellschafts­ und Vereinsleben möglich!

  • Ehrenamtlichkeit auch unter der Woche – nicht nur am Wochenende (Freiwillige Feuerwehr, Rotes Kreuz usw.)

Zur Zeit ist es so, dass flächendeckend Einsatzorganisationen unter der Woche oft nur eingeschränkt einsatzbereit sind, da sehr viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus den steirischen Regionen in Richtung Zentralraum auspendeln.

Stärken wir regionale Arbeitsplätze vor Ort durch unser Kaufverhalten, so müssen weniger Menschen pendeln und bei Unfällen oder Katastrophen sind genügend Helfer und Helferinnen schnell vor Ort!

  • Internethandel – Verstärkte Kennzeichnung regionaler Webshops

Das Einkaufsverhalten wird sich in Zukunft noch stärker in Richtung Onlinehandel verschieben. Da es aber auch jetzt schon in unseren Regionen regionale Webshops gibt, wäre eine Kennzeichnung regionaler Webshops für den Konsumenten sehr hilfreich!

 

 

 

WERTE erleben

Der Steirische AAB bezieht sich in seiner Arbeit auf Werte, die Zusammenhänge herstellen, in denen ein gelungenes menschliches Leben für alle steht. Uns ist das Eigentum, mit dem Menschen Möglichkeiten eröffnet werden sehr wichtig. Deswegen ist die Eigentumsbildung in Arbeitnehmerhand für uns ein wichtiges Ziel. Leistung soll sich lohnen. Wir sind uns aber auch bewusst, dass mit dem Eigentum Verantwortung verbunden ist. Diese Verantwortung verpflichtet uns zu Solidarität mit denen, die es nicht so gut haben. Die Solidarität ist bei uns aber verbunden mit der Ausrichtung auf Subsidiarität, sodass Hilfe als Hilfe zur Selbsthilfe ausgestaltet wird. Es gilt, Menschen zu Leistungen zu ermächtigen. Unser Ziel besteht darin, Sorge dafür zu tragen, dass jeder eine Aufgabe hat, mit der er zur Erreichung seines Glückes mitwirken kann.

 

Die mit den Werten gebildeten Zusammenhänge zeigen sich in den Forderungen:

  • Wirtschafte wirtschaftsgerecht!
  • Wirtschafte menschengerecht!
  • Wirtschafte mitmenschengerecht!
  • Wirtschafte umweltgerecht!
  • Wirtschafte zukunftsgerecht!
  • Wirtschafte gesellschaftsgerecht!

 

Uns ist es damit wichtig, Arbeit und Wirtschaft in einen Rahmen zu stellen, der auf das Ganze eines gelungenen Lebens im gesellschaftlichen Verband aus ist. In diesem Rahmen wollen wir die Verantwortung des Einzelnen stärken. indem wir Leistungsbereitschaft fördern.