Bildungsteilzeit: Einstieg – Umstieg – Ausstieg


Berufsbegleitende Weiterbildung

Mit dem Nationalratsbeschluss vom 21. März 2013 wurde eine Forderung des ÖAAB durchgesetzt. Bildungsteilzeit bedeutet eine Reduzierung der Arbeitszeit entweder um 25 oder um 50 Prozent der Normalarbeitszeit. Mit diesem Modell soll es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ermöglicht werden, auch während der Weiterbildung im Betrieb arbeiten zu können.

Eckpunkte der Bildungsteilzeit

  • Voraussetzung für die Vereinbarung der Bildungsteilzeit ist, dass das Arbeitsverhältnis bereits ununterbrochen sechs Monate gedauert hat.
  • Die Vereinbarung über die Bildungsteilzeit hat zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer schriftlich zu erfolgen und hat neben Beginn und Dauer der Bildungsteilzeit auch das Ausmaß und die Lage der Arbeitszeit zu beinhalten.
  • Die Dauer der Bildungsteilzeit darf vier Monate nicht unter- und zwei Jahre nicht überschreiten.
  • Die Möglichkeit, Bildungsteilzeit innerhalb einer Rahmenfrist von vier Jahren in einzelnen Teilen zu vereinbaren, ist dem Modell der Bildungskarenz nachgebildet. Ebenso gilt für eine neuerliche Vereinbarung der Bildungsteilzeit die eben erwähnte Rahmenfrist.
  • Wurde eine Bildungskarenz vereinbart, angetreten und wurde die höchstzulässige Dauer nicht ausgeschöpft, kann an Stelle von Bildungskarenz für die weitere Dauer der Rahmenfrist Bildungsteilzeit höchstens im zweifachen Ausmaß des nichtausgeschöpften Teils vereinbart werden. Der „Umrechnungsschlüssel“ zwischen Bildungskarenz und Bildungsteilzeit wird also im Verhältnis 1:2 fest- gelegt. Die Mindestdauer der Bildungsteilzeit beträgt vier Monate, die Höchstdauer zwei Jahre.
  • Wesentlich ist der für die Vereinbarung der Bildungsteilzeit zulässige Rahmen der Arbeitszeitreduktion. Die Arbeitszeit muss um mindestens ein Viertel (25 Prozent) und darf höchstens um die Hälfte (50 Prozent) der bisherigen Normalarbeitszeit reduziert werden.
  • Die wöchentliche Arbeitszeit während der Bildungsteilzeit darf zehn Stunden nicht unterschreiten.
  • Das AMS leistet während der Bildungsteilzeit ein Bildungsteilzeitgeld.
  • Der Antrag auf Gewährung von Bildungsteilzeitgeld muss mind. vier Wochen 
vor dem vereinbarten Beginn der Bildungsteilzeit beim AMS gestellt werden.
  • Während des Bezuges von Bildungsteilzeitgeld muss ein aufrechtes Arbeitsverhältnis mit einem Entgelt über der Geringfügigkeitsgrenze (2017: 425,70 Euro/Monat) vorliegen. Beim Bildungsteilzeitgeld liegt im Regelfall ein karenziertes, nicht beendetes Arbeitsverhältnis vor.
  • Nachweis der abgelegten Prüfungen bei Studium: Es sollen für ein Jahr Prüfun- gen über acht Semesterwochenstunden oder 16 ECTS-Punkte erbracht werden (analog zum Nachweis des Studienerfolges für die Familienbeihilfe). Die Hälfte davon ist nach sechs Monaten nachzuweisen. Wird dieser Nachweis nicht er- bracht, erlischt der Anspruch auf Bildungsteilzeitgeld. Eine Rückforderung des Bildungsteilzeitgeldes soll nur in jenen Fällen erfolgen, in denen nicht ernsthaft versucht wurde, Studien oder Prüfungen zu absolvieren.
  • In Unternehmen mit weniger als 50 Arbeitnehmer dürfen maximal vier Mitarbeiter gleichzeitig in Bildungsteilzeit gehen, bei mehr als 50 Arbeitnehmern maximal 8 Prozent der Belegschaft.
  • Eine Überschreitung dieser Schwellenwerte kann durch Mehrheitsbeschluss des AMS-Regionalbeirates genehmigt werden,
  • Das verbleibende Entgelt aus dem bestehenden Dienstverhältnis darf nicht unter die Geringfügigkeitsgrenze (2017: 425,70 Euro/Monat) sinken.
  • Das Bildungsteilzeitgeld beträgt für jede volle Arbeitsstunde, um die die wöchentliche Normalarbeitszeit verringert wird, 0,79 Euro täglich. 
Beispiel: 
Ein Arbeitnehmer verdient 2.500 Euro (brutto) = ca. 1.700 Euro (netto). Er reduziert die Arbeitszeit auf die Hälfte und verdient 1.250 Euro (brutto) = 1.061 Euro (netto)
Das AMS finanziert für die Dauer der Bildungsteilzeit die Lebenshaltungs- kosten mit einem Bildungsteilzeitgeld in der Höhe von 15,80 Euro je Kalendertag (0,79 Euro pro Stunde x 20 Stunden in der Woche), das sind (bei 30 Tagen/Monat) 474 Euro. 
Damit hat der Arbeitnehmer für die Dauer der Bildungsmaßnahme 1.535 Euro monatlich zur Verfügung. Je nach Arbeitszeitreduzierung in Stunden ändert sich die Höhe des Bildungsteilzeitgeldes.