Geringfügige Beschäftigung


Welche Ansprüche haben geringfügig Beschäftigte?

Arbeitsrechtliche Ansprüche

Geringfügig Beschäftigte haben wie bei normalen Arbeitsverhältnissen Anspruch auf:

  • »  Kollektivvertraglichen Mindestlohn
  • »  Sonderzahlungen (laut KV) wie zB. Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • »  Entgeltfortzahlung im Krankenstand (nur durch Betrieb)
  • »  Entgeltfortzahlung bei Dienstverhinderungsgründen wie zB. Arztbesuche, wichtige Behördengänge
  • »  Pflegefreistellung zB. zur Pflege kranker Kinder oder naher Angehöriger; im Rahmen der Wochenarbeitszeit oder bei zweitem Kind (unter 12             Jahre) im doppelten Ausmaß
  • »  Urlaub (5 Wochen, ab 25. Dienstjahr 6 Wochen im Jahr)
  • »  Abfertigung alt/neu (für Neueintritte muss der Betrieb seit 
1.2003 zusätzlich 1,53% des Lohnes in eine Vorsorgekasse bezahlen. Die Ansprüche         können Arbeitnehmer nicht mehr verlieren.) 
Kündigungsfristen 
Geringfügig beschäftigte Arbeiter können nach den Bestimmungen des jeweiligen       Arbeiterkollektivvertrages gekündigt werden. 
Bei Angestellten hängt die Kündigungsfrist vom Ausmaß der wöchentlichen Arbeitszeit ab. Wer             weniger als 1/5 der gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Normalarbeitszeit beschäftigt ist, hat nur eine 14-tägige Kündigungsfrist ohne               speziellen Kündigungstermin. Beträgt die wöchentliche Arbeitszeit mindestens 1/5 der 
gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Normalarbeitszeit     (bei 40-Stunden-Woche also 8 Wochenstunden), so sind die allgemeinen Kündigungstermine und -fristen für Angestellte einzuhalten.

Mehrarbeit

Eine Verpflichtung zur Mehrarbeit ist vertraglich möglich. Werden mit der Entlohnung für die Mehrarbeit die Grenzen für eine geringfügige Beschäftigung überschritten, liegt keine geringfügige Beschäftigung mehr vor und es müssen Sozialversicherungsbeiträge geleistet werden. Regelmäßige Mehrarbeitsstunden erhöhen den Anspruch auf Sonderzahlungen.

Karenz

Eine vorrübergehende Beschäftigung beim selben Arbeitgeber für die Dauer eines Mutterschaftskarenzurlaubes oder Väterkarenzurlaubes bleibt bei der Berechnung der Abfertigung Alt außer Betracht.

Urlaub

Für geringfügig Beschäftigte ist – wie für alle Teilzeitbeschäftigten – eine Umrechnung der Urlaubstage (30 Werktage bei 6-Tage-Woche entspricht 5 Wochen Urlaub) auf Arbeitstage vorzunehmen.

Beispiel: Bei 2-Tage-Woche: 5 x 2 Arbeitstage = 10 Arbeitstage Urlaub pro Arbeitsjahr. Feiertage sind nach dem Arbeitsruhegesetz zu entlohnen. Ist jemand nur einmal pro Woche berufstätig und fällt dieser Tag auf einen Feiertag, so müssen die ausgefallen Stunden entlohnt bzw. nicht eingearbeitet werden. Wird dennoch eingearbeitet, so handelt es sich dabei grundsätzlich um eine zuschlagspflichtig zu entlohnende Mehrarbeit.

 

Freiwillige Versicherung (§19a ASVG)

Für 60,09 Euro monatlich (425,70 Euro/mtl. Einkommen) können sich geringfügig Beschäftigte bei ihrem Krankenversicherungsträger freiwillig sozialversichern lassen. Sie haben dadurch Anspruch auf Sachleistungen (z.B. ärztliche Hilfe, Heilmittel, Krankenhausaufenthalte), Geldleistungen (152 Euro Krankengeld im Monat, 8,98 Euro tägl. Wochengeld) und erwerben damit echte Pensionszeiten.

10 Prozent der geleisteten Beitragssumme bekommt man wieder von der Steuer zurück.
Wer Studien- oder Schulmonate später für die Pension nachkaufen möchte, muss 2017 bereits 1.135,44 Euro für jedes Monat zahlen.

Hinweis: Wenn bei der erstmaligen Inanspruchnahme der Versicherung der Antrag innerhalb von 6 Wochen nach dem Beginn der geringfügigen Beschäftigung gestellt wird, tritt der Beginn der Selbstversicherung rückwirkend mit dem ersten Tag der geringfügigen Beschäftigung ein, ansonsten erst einen Tag nach der Antragstellung.

 

Was gilt als geringfügige Beschäftigung?

Verdienstgrenzen

Eine geringfügige Beschäftigung liegt vor, wenn man bei einem unbefristeten Arbeitsverhältnis maximal 425,70 Euro im Monat verdient.
Es ist nicht entscheidend, wie viele Wochenstunden jemand arbeitet, sondern ob diese Grenzen eingehalten werden.

 

Vorsicht bei Nebenbeschäftigung

Wer die Verdienstgrenze mit anderen Einkünften überschreitet, muss für die gesamte geringfügige Beschäftigung rund 18% Sozial- versicherungsbeiträge nachbezahlen.
Ab 12.000 Euro Netto Jahresverdienst fällt zusätzlich ca. 36,50 Prozent Lohnsteuer an.

Vorteile

Geringfügig Beschäftigte verdienen brutto für netto und haben keine Lohnabzüge (Steuern, Sozialversicherung). Frühpensions-, Arbeitslosengeldbezieher und Karenzierte dürfen bis zur Geringfügigkeitsgrenze dazuverdienen, ohne dass ihre Leistungsansprüche geschmälert werden.

Nachteile

Sie bestehen v.a. in sozialrechtlicher Hinsicht. Geringfügig Beschäftigte sind nur unfallversichert, aber nicht arbeitslosen-, kranken- und pensionsversichert. (Ausnahme. freiwillige Weiterversicherung!) Die Betroffenen haben keine Leistungsansprüche im Falle einer langen Krankheit oder Arbeitslosigkeit. Die Zeiten zählen auch nicht für die Pensionsberechnung.

Pflegefreistellung dank ÖAAB ausgeweitet

Wenn man wegen der Pflege eines erkrankten Kindes nicht arbeiten gehen kann, hat man auch bei einer geringfügigen Beschäftigung Anspruch auf bezahlte Pflegefreistellung. Dank ÖAAB haben seit 2013 alle Eltern Anspruch auf Pflegefreistellung, unabhängig davon, ob sie mit dem leiblichen Kind im gleichen Haushalt wohnen oder nicht. Dies gilt auch für Stiefeltern, wenn die leiblichen Kinder des Partners im gemeinsamen Haushalt wohnen.