Bildung(spolitik) im Wandel


Als ich vor Kurzem eine Vorwissenschaftliche Arbeit korrigierte, erlebte ich ein seltsames Déja-vu. Die Maturantin gibt in ihrer VWA einen Überblick über die Geschichte der deutschsprachigen Kinderliteratur und untersuchte dabei die Motive und pädagogischen Ziele von der Aufklärung bis heute. Den unterschiedlichen politischen Verhältnissen dieses langen Zeitraumes fehlt es freilich nicht an völlig divergierenden Ansichten, wie Bildung zu vermitteln sei. Im besten Fall formt sie den Charakter, fördert Begabungen und macht kritik- und urteilsfähig. Die Thesen der Arbeit belegen aber auch, dass Wissensvermittlung immer wieder auch als ideologischer Transmitter missbraucht wurde, sei es in Form fataler Verherrlichung autoritärer Regime, sei es durch eine gnadenlos enttabuisierte Offenheit wie ab den 70ger Jahren. Selbstverständlich muss und darf Bildung gerade heute politisch sein. Wäre dies nicht der Fall, würde der Zugang zu ihr privatisiert und damit exklusiv werden. Verantwortungsvolle Politik aber kalkuliert seriös und faktenbasiert. Und genau deshalb tut es gut, dass es mittlerweile einen Bildungsminister gibt, der den Dialog mit den unmittelbar Betroffenen sucht, im frühkindlichen Entwicklungsprozess wertvolles Potenzial erkennt und auch die Erziehungsberechtigten in die Verantwortung nimmt. Mit der Aufwertung der Elementarpädagogik kommt es zu einer großen Druckentlastung für die Volksschulen innerhalb des Schnittstellenmanagements. Und dass endlich einmal zuerst evaluiert wird, bevor eine so weitreichende Reform wie die NOSt flächendeckend eingeführt wird, lässt die betroffenen Schulen endlich Atem holen und sie ihre eigentlichen Aufgaben in Ruhe erledigen.

 

 

Mag. Christa Pospischil
LFG-Vors. AHS/Stmk