Literaturpreis 2020 geht an Günter Eichberger


Literaturpreis, Literaturstipendium und Lichtungen-Lyrik-Stipendium 2020 vergeben:

Literaturpreis 2020 geht an Günter Eichberger

Günter Eichberger

 

Auf Antrag von Kulturlandesrat Christopher Drexler hat die Steiermärkische Landesregierung den einstimmigen Beschluss gefasst, den Literaturpreis des Landes Steiermark 2020 an Günter Eichberger zu vergeben. Das Literaturstipendium 2020 erhält Christoph Dolgan, das Lichtungen-Lyrik-Stipendium 2020 Sonja Harter. Der Literaturpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, die beiden Stipendien mit je 5.000 Euro. Sie werden durch Beschluss der Landesregierung auf Basis einer Jury-Empfehlung vergeben. Nach eingehender Beratung hat die Jury folgende Begründungen für ihre Empfehlungen abgegeben:

 

Literaturpreis:

„Günter Eichberger ist eine Künstlerpersönlichkeit, die international Beachtung findet und die literarische Szene vor Ort wie kaum ein anderer prägt, ein Literat, der seit Jahrzehnten Möglichkeiten der Prosa befragt und erweitert, ein Flaneur zwischen Avantgarde und Postmoderne, der sich ‚die Lizenz zum gemeingefährlichen Kofabulieren‘ leichthändig erarbeitet hat: Günter Eichberger verstört virtuos mit satirischen Verfahren. Furios die Paradoxien, Aporien, vorgeblichen Kindereien, Paraphrasen, Anspielungen und Geistesblitze in seinen Texten, die an die 20 Bücher, fast ein Dutzend Hörspiele und ebenso viele Stücke umfassen, beginnend mit seinem Debut „Der Wolkenpfleger“ (Residenz Verlag 1988) bis hin zu „Stufen zur Vollkommenheit“ (Ritter Verlag 2019).

In den von ihm exzellent beherrschten Formen des Tiefstapelns lässt Günter Eichberger Erzähler-Figuren um Begriffe wie Bewusstsein, Ich, Wahrnehmung, Erinnerung oder Sprache kreisen, Klischees dekonstruieren und Unsinns- wie Gedankensprünge formulieren, feinsinnige wie unterhaltsame Anleitungen wider eine sich ins Bewusstsein fressende Bedeutungsindustrie. Als Dramatiker stellt er den Sprechmodus einer Gesellschaft aus, deren Zusammenhalt in Auflösung begriffen ist. Günter Eichberger gehört zu den großen Sprachartisten der Gegenwart.“ (Jurybegründung)

 

Literaturstipendium

„Der 1979 in Graz geborene Autor Christoph Dolgan gilt seit seinem Prosadebüt Ballastexistenz (Droschl, 2013) als eine der eindringlichsten Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur.

Geschult an der Ästhetik Werner Schwabs und Leopold Sacher-Masochs entwirft er in seiner Prosa düstere Panoramen von Außen- und Innenwelten, die dank einer schnörkellosen, treffsicheren Sprache unter die Haut gehen. Bei aller Analytik und bohrenden Schärfe sind Dolgans dunkle Porträts, die er in manuskripte 226 auch erstmals in Begleitung eindrucksvoller Ruinenfotografien publizierte, sympathischerweise nicht frei von einer Art zornigem Mitgefühl für seine Figuren. Tatsächlich erinnert der Tonfall stellenweise an das Frühwerk Bob Dylans – eines Bob Dylans freilich, der Heavy Metal spielte. Im Herbst 2019 erschien, wiederum bei Droschl, der Roman Elf Nächte und ein Tag.“ (Jurybegründung)

 

Lichtungen-Lyrik-Stipendium:

„Sonja Harter schöpft Begrifflichkeiten aus der Jetztzeit wie kaltes, klares Wasser und fasst sie in reduzierte, fast minimalistische Gedichte. Man kann die Musik hören, wenn man ihre Gedichte liest – hier gibt es keine Pose zwischen den Worten, aber immer Poesie. Oder auch einmal ein QR-Code, wie in ihrem zuletzt bei Luftschacht erschienen Gedichtband ‚Katzenpornos in der Timeline‘, erschienen bei Luftschacht, ein Buch an der Schnittstelle von Algorithmus und Printprodukt. Sonja Harter und ihre Gedichte begleiten die Lichtungen seit 2001.“ (Jurybegründung)

 

 LR Drexler: „Steiermark ist gedeihlicher Nährboden für beeindruckende Literaten“

Kulturlandesrat Christopher Drexler: „Die Steiermark ist ein gedeihlicher Nährboden für beeindruckende Literaten und ihre Werke. Die Preise, die das Land Steiermark für besondere literarische Leistungen vergibt, sollen ihre Arbeit würdigen und nachgerade dazu auffordern, uns auch zukünftig mit ihren Texten zu begeistern.

Ich gratuliere Günter Eichberger herzlich zum Literaturpreis des Landes Steiermark 2020 und freue mich, dass wir mit ihm einen einzigartigen Künstler auszeichnen können, der uns seit mehr als drei Jahrzehnten verlässlich mit virtuosem Spracheinsatz beeindruckt.

Mit Christoph Dolgan erhält ein aufstrebender Schriftsteller das diesjährige Literaturstipendium, dessen künftige Werke wir, gerade im Lichte seiner letzten Veröffentlichungen, bereits mit Freude erwarten können.

Seit fast 20 Jahren veröffentlicht sie ihre Gedichte bereits im Magazin „Lichtungen“ – das Lichtungen-Lyrik-Stipendium 2020 soll diese Arbeit von Sonja Harter auszeichnen, aber noch viel mehr dazu animieren, uns an ihrer lyrischen Begabung mit vielen weiteren Texten teilhaben zu lassen.“

 

Literaturpreis des Landes Steiermark

Der Literaturpreis des Landes Steiermark wird für eine anerkennungswürdige literarische Leistung an eine Künstlerin oder einen Künstler mit Steiermarkbezug vergeben. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro. Die Vergabe erfolgt ab diesem Jahr in einem biennalen Rhythmus. Der Literaturpreis 2017 ging an Clemens J. Setz.

 

Lichtungen-Lyrik-Stipendium und Literaturstipendium des Landes Steiermark

Das Lichtungen-Lyrik-Stipendium und das Literaturstipendium des Landes Steiermark werden an junge Autorinnen und Autoren vergeben, die ihre Begabung bereits gezeigt haben und die darlegen können, dass sie mit größeren literarischen Vorhaben befasst sind. In Anerkennung des Lyrik-Schwerpunkts der namensgebenden Literaturzeitschrift „Lichtungen“ wird eines der beiden Stipendien an eine Lyrikerin/einen Lyriker im Umkreis der Literaturzeitschrift Lichtungen vergeben. Das Preisgeld für die beiden Stipendien beträgt je 5.000 Euro. Die Vergabe erfolgt ab diesem Jahr in einem biennalen Rhythmus. 2017 erhielt Natascha Gangl das Literaturstipendium, Christoph Szalay das Lichtungen-Lyrik-Stipendium.