Gedanken zum Josefitag


von Univ. Prof. Mag. Dr. Leopold Neuhold

Programmreferent des Steirischen ÖAAB

 

Dem Fest des heiligen Joseph, unseres Landespatrons, kommt heuer besondere Bedeutung zu: Papst Franziskus hat das heurige Jahr zum Josephsjahr ausgerufen, zu einem Jahr, dem Joseph als Leitfigur vorausgeht. Dabei kann man sehen, dass Papst Franziskus viel mit Josef verbindet, erfolgte doch sein Amtsantritt am 19. März 2013, und die Nardenblüte, die Blume des heiligen Joseph, findet sich im Papstwappen. Im vorigen Jahr hatte Franziskus im Apostolischen Schreiben „Patris Corde“, was so viel bedeutet wie „Mit dem Herzen eines Vaters“, auf die Bedeutung dieses Heiligen für unsere Zeit hingewiesen. Und in Zeiten von Corona kommt Joseph eine besondere Bedeutung zu.

Wenn wir auf das in der Gesellschaft gängige Bild von Joseph schauen, so ist das nicht sofort zu erkennen. Dieses Bild ist von einer gewissen Verniedlichung geprägt, das Bild eines Schwächlings oder gar Pantoffelhelden, der in den Hintergrund gedrängt, ungesehen und im Stillen unbemerkt sorgt. Und doch ist er alles andere als das, er ist ein Mann der Tat. Von Joseph, dem Nährvater Jesu und Bräutigam Mariens, ist uns in der Bibel kein einziges Wort, das er gesagt hat, aufgeschrieben. Er ist der Hörende, der sich in die Situation einfühlt. Und dabei ist er einer, der in Träumen die Anweisungen Gottes erfährt. Er ist aber kein Träumer, der die Wirklichkeit nicht sieht, sondern einer, der sich der Wirklichkeit stellt. Aber er geht über das, was sich uns oft als unumstößliche Tatsache darstellt, hinaus. Er kann über die vor ihm liegende Wirklichkeit hinausschauen und damit im Dunklen liegende Zusammenhänge erkennen. Das kann er deswegen, weil er sich auf die Herausforderungen einlässt. Dieser tiefe Einblick in die Wirklichkeit führt ihn zu einem Handeln, das heilsam wird, er stellt sich den Tatsachen, die für ihn sicher nicht immer leicht zu bewältigen waren. Sie führten ihn an Grenzen, an die Grenzen des Landes in der Flucht nach Ägypten, an die Grenzen des Verstehens in der Krise, als Maria schwanger war. Er erfuhr die Schwachheit, die ihn aber im Blick über das scheinbar unumstößlich Vorliegende hinaus stark machte. Der Name Joseph trägt im Hebräischen die Bedeutung „Gott fügt hinzu“. Dem, was der Mensch nicht aus sich schafft, fügt Gott das Seine hinzu, damit der Mensch es doch schaffen kann. So schreibt der Papst in Patris Corde: „Doch das Evangelium sagt uns, dass es Gott immer gelingt, das zu retten, worauf es ankommt, vorausgesetzt, dass wir den gleichen kreativen Mut aufbringen wie der Zimmermann von Nazaret. Er versteht es, ein Problem in eine Chance zu verwandeln, und zwar dadurch, dass er immer in erster Linie auf die Vorsehung vertraut.“ Es ist also wichtig, den Sinn des Arbeitens zu erschließen, wie die christliche Soziallehre auch mit Blick auf Joseph feststellt. Joseph eröffnet uns damit besonders in dieser Zeit der Pandemie die Hoffnung, dass wir es schaffen können, wenn wir uns auf tiefere Zusammenhänge und vor allem auf unsere Mitmenschen einlassen. In der Arbeit liegt dann Sinnerfüllung des menschlichen Lebens.

Hier zeigt sich der Blick auf größere Zusammenhänge. Mitten im Leben stehend wie der Zimmermann Josef haben wir den Blick über uns hinaus notwendig. In der Bereitschaft, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, im Gehorsam des Hinhörens den Mut zu entwickeln, der Neues und Heilsames schafft, das macht Joseph aus. Joseph wird oft, wie gesagt, verniedlichend dargestellt, so zuckersüß, Joseph ist aber einer, der mit beiden Beinen in der Wirklichkeit stehen und sie bewältigen kann, weil er über sie hinausschaut und mit dem rechnet, der hinzufügt, was uns abgeht, und damit Sinn findet. Das erfordert die Bereitschaft zu dienen und Macht in diesen Dienst an den Menschen zu stellen. In diesem Sinne ist Joseph der Arbeiter, der seine Arbeit mit Sinnbezug verrichtet.